
Aktuelle Ereignisse · Erdbeben · 22. Oktober 2026
Erdbeben Mw 7,0 im Kreis Baqên (Nagqu, Tibet): Rückblick Oktober 2026
Foto: World Central Kitchen, CC BY 4.0, Wikimedia Commons
Ein flaches Erdbeben der Stärke 7,0 hat am späten Abend des 22. Oktober 2026 eine hoch gelegene, dünn besiedelte Region im Norden Tibets erschüttert. Bis zum 23. Oktober wurden 16 Tote und 76 Verletzte gemeldet, mehr als 12.000 Bewohner wurden in Sicherheit gebracht.
Die wichtigsten Daten
- Zeit
- 22. Oktober 2026, 14:33 UTC
- Magnitude
- 7,0 (mww)
- Tiefe
- 18,0 km
- Tsunami
- keine
- Warnstufe
- PAGER: Orange
- Koordinaten
- 32.34, 93.71
- Quelle
- USGS
Was am 22. Oktober im Kreis Baqên geschah
Am 22. Oktober 2026 um 14:33 Uhr UTC, 22:33 Uhr Pekinger Zeit, erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0 die Gemeinde Maru im Kreis Baqên (Baqen), der zur Stadt Nagqu im Norden Tibets (Xizang) gehört und an die Provinz Qinghai grenzt. Der USGS bestimmte das Beben nach Überprüfung mit Mww 7,0 in 18 km Tiefe, das Epizentrum lag bei 32,380° N, 93,780° O, rund 191 km ostnordöstlich von Nagqu.
Das chinesische Erdbebennetzzentrum CENC kam auf dieselbe Magnitude, nicht aber ganz auf denselben Ort und dieselbe Tiefe. Laut Xinhua verortete das CENC das Epizentrum bei 32,40° N, 93,79° O in 10 km Tiefe. Abweichungen dieser Größenordnung zwischen verschiedenen Behörden sind in den ersten Tagen nach einem starken Beben üblich, und beide Lösungen beschreiben ein flaches Ereignis in der oberen Erdkruste.
Der USGS registrierte mindestens sieben Nachbeben mit Magnituden zwischen 4,3 und 5,2. Da das Epizentrum weit im Landesinneren liegt, bestand keine Tsunamigefahr. Reuters bezeichnete es als das stärkste Erdbeben in China seit Januar 2024, der Staatssender CCTV als das stärkste in der Region seit fünf Jahren.

Opfer und Schäden: die bisherigen Zahlen
Die Zahl der Todesopfer lag in allen offiziellen Meldungen unverändert bei 16. Die Zahl der Verletzten stieg dagegen, je mehr Berichte aus abgelegenen Gemeinden eintrafen. Die erste AP-Meldung nannte unter Berufung auf das Pressebüro von Nagqu 32 Verletzte. Am frühen 23. Oktober meldete die Katastrophenschutzbehörde von Nagqu 46, Xinhua nannte für 7 Uhr morgens desselben Tages 54. Spätere Angaben lagen bei 65 und schließlich bei 76.
Das bislang vollständigste Bild lieferte die Stadtregierung von Nagqu auf einer Pressekonferenz am 23. Oktober mit Zahlen vom Stand 13 Uhr Ortszeit, wie The Watchers berichtete:
- 16 Tote
- 76 Verletzte, davon 11 schwer
- Wohnhäuser von 339 Haushalten eingestürzt oder beschädigt
- 20 Viehgehege betroffen
- 12.489 Bewohner an sicherere Orte gebracht (Stand 10 Uhr)
Eine offizielle Zahl der Vermissten war bis zum 23. Oktober nicht veröffentlicht worden, und die Schadensaufnahme lief noch. Alle Zahlen sind daher als vorläufig zu betrachten.
Erkundungsflüge stellten beschädigte Gebäude im Umkreis von 20 km um das Epizentrum fest. Zu den am stärksten betroffenen Orten zählten die Gemeinden Maru und Gangqie: Lehmmauern wurden schwer beschädigt, Ziegelbauten stürzten teilweise ein, und bei Maru taten sich Bodenrisse auf. Das passt zu dem, worauf das PAGER-System des USGS hingewiesen hatte: Die verbreitetsten anfälligen Bauten der Region bestehen aus Lehmziegeln und unbewehrtem, mit Lehm gemauertem Ziegelwerk.
Warum dieser Teil Tibets bebt
Das Hochland von Tibet ist durch die Kollision Indiens mit Eurasien emporgehoben worden. Inzwischen ist es so hoch, dass es unter seinem eigenen Gewicht nach Osten und Westen auseinanderfließt. Diese Dehnung wird großteils von Blattverschiebungen und Abschiebungen aufgenommen. Nach Erkenntnissen des USGS wurde dieses Beben durch eine Abschiebung an einer Krustenverwerfung ausgelöst, die mäßig steil entweder nach Nordwesten oder nach Südosten einfällt. Bei einem Ereignis dieser Größe misst die Bruchfläche typischerweise etwa 50 mal 20 km.
Der USGS weist zudem darauf hin, dass dieser Teil des Hochlands nur dünn besiedelt ist. Wie groß die Schäden durch ein starkes Erdbeben ausfallen, hängt daher stark davon ab, wie nah der Bruch an Siedlungen verläuft. PAGER gab für Todesopfer die gelbe und für wirtschaftliche Schäden die orange Warnstufe aus; die Verluste wurden auf weniger als 1 % des chinesischen Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Das PAGER-Modul für Bodenversagen wies ein größeres Gebiet mit möglichen Hangrutschungen aus, in dem allerdings nur wenige Menschen leben.
Im Vergleich mit anderen Beben in Tibet
Erdbeben der Stärke 7,0 oder mehr sind in Tibet selten: Laut einer Übersicht von Reuters gab es seit 1900 etwa neun. Der naheliegendste Vergleich aus jüngerer Zeit ist das Tingri-Beben der Stärke Mw 7,1 vom 7. Januar 2025 im Süden Tibets, ebenfalls eine Abschiebung. Nach offiziellen Angaben kamen dabei 126 Menschen ums Leben, rund 3.600 Häuser wurden zerstört. Nach den bis zum 23. Oktober vorliegenden Zahlen hat das Beben von Nagqu deutlich geringere Verluste verursacht.
Weiter zurück liegt das Damxung-Erdbeben der Stärke 8,0 von 1951, eines der stärksten in den Aufzeichnungen der Region. Ein Beben der Stärke 6,6 bei Damxung forderte 2008 mindestens 10 Todesopfer, ein Erdstoß der Stärke 5,9 in Nagqu im Juni 2024 verursachte keine gemeldeten Opfer. Etwa 272 km ostnordöstlich kamen beim Yushu-Erdbeben der Stärke 6,9 in Qinghai am 14. April 2010 mehr als 2.500 Menschen ums Leben. Das zeigt, wie viel davon abhängt, wo die stärksten Erschütterungen auftreten.
Was unser Simulator zeigt
HazardSim modelliert einfache kreisförmige Zonen erwarteter Erschütterung um den Bebenherd und zählt die Einwohner der in OpenStreetMap erfassten Orte innerhalb jeder Zone. Für dieses Ereignis haben wir Radien von 20 km für Intensität VIII, 46 km für Intensität VII und 94 km für Intensität VI verwendet. Unser Modell basierte auf der ersten Ortsbestimmung (32,3357° N, 93,7138° O), die der USGS inzwischen um einige Kilometer korrigiert hat.
Das Ergebnis: null Menschen in allen drei Zonen. Als Maß für die tatsächliche Betroffenheit ist diese Zahl falsch, und das wollen wir offen sagen. Die Behörden haben 12.489 Bewohner in Sicherheit gebracht und Schäden in den Gemeinden Maru und Gangqie gemeldet, die klar innerhalb unserer modellierten Zonen liegen. Die wahrscheinlichste Ursache ist die lückenhafte Erfassung kleiner Hirtensiedlungen auf dem Hochland in OpenStreetMap, wo viele Gemeinschaften gar nicht als Ortschaften eingetragen sind. Unser Modell ist bewusst vereinfacht: Es berücksichtigt weder die Geometrie der Verwerfung noch lokale Böden oder Bauweisen, und es kann nur Menschen zählen, die die Karte kennt. In diesem Fall kannte sie fast niemanden.
Hilfe in großer Höhe und bei Kälte
China hob seine landesweite Erdbeben-Notfallreaktion von Stufe IV auf Stufe III an, die Chinesische Erdbebenbehörde arbeitete auf Stufe II. Laut CGTN und The Watchers waren unter anderem mehr als 1.600 vom Kreis Baqên aufgebotene Helfer, über 300 Polizisten, rund 350 Feuerwehr- und Rettungskräfte sowie 262 Angehörige der Bewaffneten Volkspolizei im Einsatz. Eine Drohne vom Typ Wing Loong wurde zur Lageerkundung aus der Luft entsandt, und der Netzbetreiber State Grid hatte bis 10 Uhr am 23. Oktober 1.937 Haushalte wieder mit Strom versorgt.
In das Gebiet geliefert wurden unter anderem 1.000 Fertighausmodule, 3.239 Zelte, 2.821 Klappbetten und 4.280 Steppdecken. ThePrint berichtete, dass 50 Millionen Yuan für die Soforthilfe bereitgestellt und weitere 30 Millionen Yuan für den Wiederaufbau zurückgelegt wurden.
Der Zugang gestaltet sich schwierig. Wegen Steinschlags war ein Abschnitt der Nationalstraße 317 nur noch für Einsatz- und Dienstfahrzeuge freigegeben, Züge durch das Gebiet wurden gestoppt, und stellenweise fiel die Kommunikation aus, wie Dimsum Daily berichtete. Das Epizentralgebiet liegt im Mittel auf über 4.800 m Höhe. Xinhua meldete Vorhersagen, nach denen die Temperaturen innerhalb von drei Tagen auf −9 °C fallen sollten, für drei Gemeinden nahe dem Epizentrum wurde zeitweiliger Schneefall erwartet. Für Tausende Menschen, die nun in Zelten und Notunterkünften schlafen, wird das Wetter die kommende Woche ebenso prägen wie das Erdbeben selbst.
Was der Simulator zeigt
Der Simulator rechnet Magnitude und Tiefe in Erschütterungsintensität nach der Mercalli-Skala um. Nach dieser Schätzung reicht Intensität VI, bei der lose Gegenstände aus den Regalen fallen, 94 km weit, und in diesem Kreis liegt kein Ort aus GeoNames.
Das ist ein vereinfachtes Modell, kein Schadensbericht. Die tatsächlichen Folgen hängen von Boden, Bebauung, Gelände und den Einzelheiten des Ereignisses ab.
Im Simulator öffnenQuellen
- Offizielle Daten: USGS
- GeoNames (CC BY 4.0): geonames.org
- USGS: M 7.0 - 191 km ENE of Nagqu, China (event page, executive summary)
- Xinhua: Update: 7.0-magnitude quake hits SW China's Xizang: CENC
- Xinhua: 16 killed, 54 injured after 7.0-magnitude quake hits China's Xizang
- CGTN: 16 killed after M7.0 quake hits China's Xizang, rescue efforts underway
- The Watchers: M7.0 earthquake kills at least 16, injures 76 in Xizang, China
- The Watchers: Strong and shallow M7.0 earthquake hits Xizang-Qinghai border region, China
- NBC News / Associated Press: A 7.0 earthquake hits China's Tibet, killing 16 and injuring 32
- ThePrint (PTI): 16 killed, 76 injured as magnitude 7 quake hits Tibet; over 12,000 evacuated
- Dimsum Daily: Tibet quake kills at least 16 in Baqen County
- Al Jazeera: Powerful earthquake in Tibet kills at least 16 people
Dieser Bericht wurde mit KI-Unterstützung aus den unten genannten Quellen zusammengestellt und mit den offiziellen Daten abgeglichen.
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